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Vereinsausflug zur MECKLENBURG-VORPOMMERN Auf Deutschlands größter Fähre von Rostock nach Trelleborg (Schweden) und zurück
Durch einen Modellbaukollegen bekamen wir die Möglichkeit, einen Vereinsausflug zur MECKLENBURG-VORPOMMERN, dem derzeit größten Fährschiff unter deutscher Flagge, zu unternehmen und dabei hinter die Kulissen des Fährschiffbetriebes zu blicken. Die zur deutsch-dänischen Reederei Scandlines gehörende Kombifähre ist neben der auf der gleichen Linie fahrenden, leicht größeren SKÅNE, das größte Eisenbahnfährschiff der Welt und kann auf sechs nebeneinanderliegenden Gleisen rund 950 Meter Eisenbahnwaggons transportieren. Dazu kommen auf zwei weiteren Ladedecks Straßenfahrzeuge. Insgesamt finden bis zu 3,1 Kilometer Ladung an Bord Platz sowie 600 Passagiere.
Als wir Samstagvormittag auf dem Parkplatz im Hafengelände des Rostocker Seehafens aus dem Auto stiegen, lag die MECKLENBURG-VORPOMMERN bereits am Anleger. Wir schauten nach oben, zur Brücke, und dachten, wie toll es sein muss, da oben mal zu stehen.
Zum verabredeten Zeitpunkt holte uns unser Modellbaukollege, der Kapitän des Schiffes, ab und ging mit uns auf die knapp 200 Meter lange Fähre. Nachdem wir unser Gepäck in den gebuchten Kabinen verstaut hatten, ging es auch schon los: Schiffsbesichtigung. Der Zeitpunkt war günstig, denn die Fähre war noch vollkommen ohne Ladung. Wir stellten sofort fest, dass es eine Unmenge an Treppenstufen gab, die uns spätestens Sonntagmorgen auch das „Du“ angeboten hatten. Dann standen wir auf dem Eisenbahndeck. Was wiederholt sofort auffiel war die Sauberkeit. Kein Abfall, kein Dreck, einfach nur sauber. Abends konnten wir dann das Beladen der Decks beobachten, und es hat uns sehr erstaunt wie schnell sich die Ladedecks mit Trailer, Lastwagen und Autos füllten.
Nach dem Beenden des Ladevorgangs - es war schon dunkel - ging es auf die Brücke. Jedes Manöver während unseres Aufenthaltes durften wir von hier aus beobachten und verfolgen. Die MECKLENBURG-VORPOMMERN legte gegen 22.45 Uhr ab und wir fuhren über die Wendeplatte im Hafen an Warnemünde vorbei hinaus auf die Ostsee. Voraus fuhr ein Kreuzfahrtschiff, bei dem wir beobachten konnten, dass es ziemlich weit zur Steuerbordseite versetzte, natürlich immer noch im Fahrwasserbereich. Wir hatten etwa 15 m/s Seitenwind aus Nordwest (das entspricht einer Windstärke von 7 Bft) und der machte sich bemerkbar. So ein großer Kreuzfahrer oder eine Fähre bieten eine grosse Windangriffsfläche. Bei der "Mecklenburg-Vorpommern" sind es beispielsweise rund 4.500 Quadratmeter. Zum Vergleich: Das deutsche Segelschulschiff GORCH FOCK hat eine Segelfläche von 2.037 Quadratmetern. Für unnsere MECKLENBURG-VORPOMMERN aber stellte der Wind an diesem Abend kein Problem dar, denn der Kapitän kennt die Tücken des Wetters in diesem Revier und wir waren schon bald auf offener See. Er übergab dann das Schiff an den wachhabenden 2. Offizier und wir verliessen die Brücke. Ein Teil ging schlafen und der andere Teil setzte sich noch ins Restaurant, um die Ereignisse dieses Tages noch mal Revue passieren zu lassen.
Dann ging es in die Koje. Nein nein, keine Hängematte oder so, es gab schon richtig frisch bezogene Betten in verschiedenen Kabinen-Kategorien. Nun war etwas schneller schlafen angesagt, denn um 5.30 Uhr waren wir mit unserem Modellbaukollegen verabredet, weil wir unserem Ziel Trelleborg näher kamen.
Er holte uns pünklich ab und wir gingen auf die Brücke. Der Wachoffizier übergab das Schiff dem Kapitän, und so langsam bemerkte man irgendwelche Vorbereitungen, die getroffen wurden. Wir bemerkten, dass der Rudergänger auch schon bereit war, und nach ein paar Funksprüchen des Kapitäns ging es dann auch schon los. Die Fähre wurde um 180° gedreht, so dass das Heck zum Hafen zeigte. Dann wechselten wir zur Brücke am Heck. Eine Besonderheit dieses Schiffes ist eine 2. Brücke, von wo aus bei langer Rückwärtsfahrt gesteuert wird. Wir erfuhren, dass wir rückwärts in den Hafen einlaufen werden und dass die Fahrrinne ziemlich eng ist. Die MECKLENBURG-VORPOMMERN verfügt "Trelleborg-Max"-Größe, stößt also mit ihrer Länge fast an die Größenbeschränkung des recht engen und kleinen Trelleborger Hafens. Die Beschränkung liegt bei 200 Meter Schiffslänge.
Die MECKLENBURG-VORPOMMERN fuhr mit einer für uns beachtlichen Geschwindigkeit auf den Hafen zu, rückwärts. Es wurde still auf der Brücke, auf der ohnehin nicht viel gesprochen wurde, und man konnte eine gewisse Anspannung spüren. Höchste Konzentration war angesagt. Immer noch Wind, die schmale Fahrrinne, es musste alles passen. Man hörte nur noch die Kommandos des Kapitäns an seinen Rudergänger, und ab und zu einen kurzen Funkspruch an die vordere Brücke. Wir kamen dem Hafen immer näher, bis wir dann die Hafeneinfahrt passierten und am Anleger festmachten. Es war 6.15 Uhr. Die LKW verließen die Fähre und schon begann wieder die Beladung.
Nach dem Frühstück schauten wir uns die Maschinenräume an und die doch ganz schön beindruckendeTechnik. Bereitwillig wurde jede von uns gestellte Frage beantwortet. Nach einem Sicherheitsmanöver, anlegen von Schwimmwesten und Überlebensanzügen, stärkten wir uns bei einem schönen Essen.
Unterwegs konnten wir ein Naturschauspiel beobachten, eine wirklich gut ausgeprägte Windhose südwestlich von Gedser.
Um 12.45 Uhr passierten wir die Tonne Rostock und liefen in den Rostocker Seekanal ein. Wir passierten Warnemünde und fuhren auf die Wendeplatte. Die Wendeplatte wurde beim Bau des Hafens ausgehoben, damit die einlaufenden Schiffe dort wenden und drehen können, um dann rückwärts an ihre Anleger zu fahren. Drehen hört sich gut an, aber wenn man bedenkt das dort 199,9 Meter Länge und 33,22 Meter Breite auf der Stelle gedreht werden - denn so lang und so breit ist die MECKLENBURG-VORPOMMERN - dann ist das schon eine beachtliche Leistung.
Um 13.45 Uhr machten wir dann wieder in Rostock fest. Das Verarbeiten dieser Eindrücke kommt wohl erst später, wir haben hier schon mal damit angefangen.
Wir möchten uns ganz herzlich bei der Reederei Scandlines für die überlassenen Luftaufnahmen bedanken und dafür, dass wir ohne Ausnahme alles fotografieren und auch veröffentlichen durften.
Text und Foto: Michael Lennartz
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